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Knight Shift

„Knight Shift“ war in den vergangenen Wochen eines der Top-Gesprächsthemen, allerdings nicht immer im positiven Sinne. So gab es beim neuen Spiel der Reality Pump Studios, bekannt durch Hits wie „Earth 2150“, viele Probleme mit größeren Printmagazinen, die dann später rechtlich von Producer ZUXXEZ gelöst werden mussten (meistens erfolgreich). Bei den Previews sackte „Knight Shift“ allerdings sehr viel Lob ein, auch nach unserem Probespielen gab es einen „Sehr Gut“-Eindruck. Vor kurzem kam nun die Verkaufsversion auf den Markt, die natürlich auch wir erhalten haben, um euch zu verraten, was wirklich in diesem bis dato einzigartigen Rollenspiel-/Strategie-Mix steckt.

Der Weg nach oben
„Knight Shift“ spielt in einem fernen und mystischen Königreich, alles scheint friedlich. Der feine Prinz Siegfried sitzt friedlich in seinem königlichen Schloss, doch ihm unbewusst nähert sich eine finstere Kreatur: Der böse Zauberer Boldwin. Dieser traumatisiert den Prinzen zunächst mit einer Pfanne, um ihn danach in die ewige Ruhe zu schicken. Doch, Pustekuchen! Der Zauber misslingt und der Prinz überlebt, allerdings wurde er in eine andere Dimension teleportiert.
An dieser Stelle beginnt der Kampagnenmodus des Spiels mit einer InGame-Zwischensequenz, wie sie auch später oft im Spiel vorkommen wird. Zu sehen ist der freundliche Zauberer Thadeus, der mit Hilfe der Götter seinen Lieblingsprinzen Siegfried zurückholen konnte. Dieser weiß zunächst nicht, wo er sich befindet und die hier startenden, ersten Missionen der Kampagne dienen als spielerische, einführende Tutorials. Hier erlernt ihr es, euren Prinzen nach und nach aufzupowern, denn scheinbar hat er auf seiner „Reise“ seine ausgezeichneten Fähigkeiten verloren und so müsst ihr alles wieder neu erlernen.
Eines eurer ersten Ziele lautet, die ritterliche Rüstung zu finden. So macht ihr euch also auf den Weg und müsst zwischen viel Gemetzel bessere Gegenstände finden, bis ihr schließlich bei den Königlichen angelangt seid. Nach und nach gewinnt euer Prinz wieder an Erfahrung. Dies erfolgt durch gewisse Stufen, die er zu erreichen hat, um schließlich mehr Gesundheit und Stärke vorweisen zu können.

Viele Spiele in Einem
Generell besteht „Knight Shift“ aus Rollenspiel und Strategie, dies ist ein bisher einzigartiger Mix, denn bei „Knight Shift“ gibt es neben der Kampagne, wo beide Elemente vereint sind, auch einen separaten Rollenspiel- und Strategiemodus. Außerdem stehen noch ein umfangreicher Level-Editor und ein Multiplayer-Modus, der vom Umfang her fast schon mit „Warcraft 3“ mithalten kann, bereit.
Im Rollenspiel-Modus wählt ihr zunächst genretypisch einen von vielen Charakteren und stimmt die Fähigkeiten euren Bedürfnissen nach ab. Der Rest läuft ähnlich wie in „Diablo“ ab: Gegenstände sammeln, Inventar verwalten, Charakter aufwerten und Zaubersprüche erlernen. Dabei wird der Schwierigkeitsgrad kontinuierlich gesteigert, sodass selbst Anfänger etwas mit diesem Modus anfangen können.
Auch der Strategie- oder besser gesagt Skirmish-Modus ist eher vereinfacht gehalten. Gut gelungen ist aber, dass wirklich jeder Charakter im Spiel wie ein kleiner Held wirkt, denn selbst die Kühe, die die einzige Ressource (Milch) in „Knight Shift“ liefern, gewinnen mit der Zeit an Erfahrung. Dadurch entsteht ein angenehmes Mittelmaß an Schwierigkeit und Bedienbarkeit, wodurch diese Partien vor allem im Multiplayer-Modus spaßen, da immer wieder neue Taktiken entwickelt werden können. Hier empfiehlt sich vor allem auch das Guiness-Buch verdächtige 256seitige Handbuch, da viele Funktionen ein wenig „untergehen“, da die Buttons ganz einfach zu klein oder zu schwer zu finden sind. Weiterer Schwachpunkt in diesem Modus ist die Kameraposition, denn sie ist auch auf niedrigster Zoom-Stufe noch zu nah am Geschehen dran, wodurch viel an Überblick verloren geht.
Eure Ausbildungsstätten, wie zum Beispiel Hütten oder Tempel, könnt ihr durch Milch ebenfalls besser ausstatten lassen. So können Ritter beispielsweise bereits mit einem magischen Schwert aus der Ausbildung kommen, während ein Priester bereits einen mächtigen Zauberspruch beherrschen kann.
Der Level-Editor wirkt hingegen sehr umfangreich und erinnert ein wenig an den von „Neverwinter Nights“. So können komplexe gescriptete Ereignisse und komplette Maps erstellt werden, falls nötig auch hier mit Hilfe des Handbuchs.
In „Knight Shift“ werden euch viele, bis dato noch nie gesehene Funktionen über den Weg laufen. So könnt ihr die nach und nach freigeschalteten Zwischensequenzen immer wieder manuell abspielen lassen, um auf eventuelle Tipps in den Gesprächen aufmerksam zu werden. Ebenfalls neu ist, dass alle Einheiten ihre Gesundheit durch Schlaf regenerieren können und dies sogar noch sehr schnell.

Ein fantastisches Spielgefühl
Die Entwickler der Reality Pump Studios haben es geschafft, zwei Grafik-Engines in „Knight Shift“ zu integrieren. So entstehen einerseits akzeptable Systemanforderungen für jedermann, die nochmals optimiert worden sind, denn das Spiel kann sich auf Wunsch immer automatisch auf den Rechner abstimmen, sodass selbst bei umfangreichen Multiplayer-Partien keine größeren Ruckler entstehen. Andererseits sieht „Knight Shift“ wirklich fantastisch aus. Euch erwarten riesige Welten mit vielen Details. So neigen sich zum Beispiel Bäume und Gräser dem sanften Wind, das Ganze wird dann auf dem ebenfalls genialen Wasser nochmals gespiegelt wiedergegeben. Selbst die Schatten der Einheiten lassen sich in dieser „Flüssigkeit“ reflektieren. Verschönert wird das Ganze noch durch diverse Zauberspruch-/Feuereffekte und durch den flüssigen und realistischen Tag- und Nachtwechsel. Vor allem die kleinen Details sprechen in „Knight Shift“ ihre eigene Sprache. So bewegen sich Enten langsam im Wasser, in einer wolkenlosen Nacht könnt ihr schon einmal den Mond auf dem Wasser entdecken und auch die Kuh muss einmal ihr „Geschäft“ machen, welches sich später zu einem schön anschaulichen „Fliegenstützpunkt“ erweitert.
Die Kameraperspektive lässt sich mit Hilfe von nur einer Maustaste beliebig drehen, zoomen und schwenken, Dank der hochauflösenden Texturen sieht das Spiel auch in den schrägsten Blicken wundervoll aus.
Minuspunkte gibt es allerdings für einige, texturlose Gebäude, die immer mal wieder im Spiel auftreten. Komisch ist, dass diese während der langen Beta-Phase nicht gefunden werden konnten.
Tiefpunkt in der eigentlich wunderbar gelungenen Grafikvorstellung sind die öden Unterlevel oder Quests, die leider immer wieder auftreten. Im Untergrund sieht alles ein wenig fade aus, nicht zuletzt weil sich hier die Texturen stark ähneln.
Die Animationen der Charaktere wirken sehr hölzern und sind dadurch nicht gerade empfehlenswert. Vor allem, wenn ihr euch das ganze einmal von der Nahansicht aus anschaut, so geht schon viel an Spielspaß verloren.
Die insgesamt 75 Musikstücke des Soundtracks sind allesamt mittelalterlich angelegt und passen optimal zum Spiel. Hier gibt es niemals Passagen, in denen euch der Sound auf den Geist gehen wird. Auch an Klangeffekten wurde bei „Knight Shift“ nicht gespart. So passt sich die Geräuschkulisse der aktuellen Tages- oder Jahreszeit an. Im Winter ist es eher ruhig, nachts werdet ihr die bösen Wölfe heulen hören und tagsüber gibt es viel Vogel-Getzwitscher.
Die Sprachausgabe ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Fast jeder Charakter hat in „Knight Shift“ seinen eigenen Dialekt vorzuweisen. So reden eure Holzfäller beispielsweise bayerisch, die Bogenschützen hingegen sind eher dem Sächsischen vertraut. Schade ist, dass die Mischung aus englischem Humor und deutscher Klassik nicht immer ins Spielgesehen passt und oft die gut gelungene Atmosphäre des Spiels verdirbt.

Pro
- Bisher einzigartig verschmelzter Mix aus Strategie und Rollenspiel
- Kampagne, Rollenspiel, Skirmish, Multiplayer und Editor bieten mehrere Wochen an Spielspaß
- Wunderbare Grafikeffekte, sowohl zu Wasser, als auch zu Land
- Über 2000 verschiedene Rüstungen, Waffen und Zaubersprüche
- Ansprechende Story
- Humorvolle Sprachausgabe
- Automatische Anpassung des Spiels an die vorhandene Hardware
- Frei dreh-, zoom- und schwenkbare Kamera
- Über 75 Musikstücke
- Flüssiger und realistischer Tag- und Nachtwechsel im Spiel
- Kleine, aber innovative Neuerungen, wie zum Beispiel das Ausrüsten von Ausbildungsstätten
- 256seitiges Handbuch

Contra
- Humor raubt oft an Atmosphäre
- Einige Gebäude sind texturlos
- Hölzerne Animationen
- Unterwelt-Level entsprechen nicht dem hohen Grafik-Standard des Spiels
- Milch ist die einzige Ressource im Spiel
- Die seperaten Modi von Rollenspiel und Strategie sind eher vereinfacht gehalten

Fazit
“Knight Shift“ ist ein faszinierendes und vor allem sehr, sehr umfangreiches Spiel. Euch erwarten viele Innovationen und viel bekanntes, all dies gepackt in einen bisher noch nie gesehenen Genre-Mix. Auch die Story wirkt ansprechend und die Fantasywelt, sowie Soundtrack wurden professionell inszeniert. Das Ganze wird dann aber oft durch den eigentlich sinnlosen Humor im Spiel gestört. Trotzdem ist mein Eindruck seit der Preview- und Betaversion geblieben: Sehr Gut.

AUTOR: Carsten 11.10.2003, 22:50h

SCREENSHOTS


WERTUNG & WEITERE INFORMATIONEN

                            

Entwickler

Vertrieb

Sprache

Preis

Medium

USK

Einkaufen

Testsystem

Reality Pump

DeepSilver /
ZUXXEZ

Deutsch

44.95€

2 CD’s

12

P4 1,8 Radeon9800
768 MB RAM

GRAFIK:

 91%


SOUND:

 83%


GAMEPLAY:

 82%


GESAMT:

 88%

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