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Wer von euch erinnert sich eigentlich noch an Sid Meier’s "Pirates" aus den achtziger Jahren? Dort konntet ihr durch die Karibik segeln, Seeschlachten ausfechten und noch vieles mehr. Nach fast dem selben Prinzip funktioniert auch Ascarons neues "Piraten: Herrscher der Karibik". Doch ist es ein gebürtiger, inoffizieller Nachfolger zu Sid Meier’s “Pirates”? Wenn ihr es wissen wollt, solltet ihr besser weiterlesen.
Worum gehts hier eigentlich? Das Spielprinzip an sich ist relativ einfach. Als furchtloser Kapitän segelt ihr im 17. Jahrhundert mit euren Schiffen durch die Karibik, um für euer Vaterland zu kämpfen. Nachdem ihr eines der vielen Szenarien und eure Staatsangehörigkeit gewählt habt, startet ihr mit einem kleinen Schiff in irgendeiner Stadt in der Karibik. Dort könnt ihr euch zunächst Aufträge holen, eure Schiffe reparieren und sie mit allen möglichen Gütern, sowie Matrosen ausstatten. Wenn ihr den Hafen der Stadt verlasst, seht ihr euer Schiff auf einer großen Übersichtskarte der Karibik, auf der das eigene Schiff wie in den “Anno”-Teilen per Maus von A nach B manövriert wird. Unterwegs werdet ihr auf viele Schiffe und Städte treffen, durch kleine Symbole erkennt ihr stets deren Herkunft und Besinnung. Stoßt ihr mit einem anderen Schiff zusammen, öffnet sich ein sogenanntes Begegnungsfenster, wo ihr auswählen könnt, wie ihr mit dem anderen Schiff umgeht. Ist das Schiff vom eigenen oder von einem verbündeten Staat, könnt ihr euch mit dem anderen Kapitän über aktuelle Geschehnisse austauschen und erfahrt so hin und wieder interessante Dinge, die sich zum Beispiel über Kriege und Bündnisse der Staaten drehen.
Das Kampfsystem Natürlich kann es auch sein, dass ihr einem Piratenschiff oder gar einem Konvoi der feindlichen Flotte begegnet. Meistens kommt es in solchen Situationen zum Kampf - Das Spiel schaltet auf eine Kampfkarte um und ihr könnt alle Schiffe in einer detaillierten 3D-Ansicht betrachten und ihr müsst versuchen den gegnerischen Schiffen so viele Breitseiten wie möglich hereinzuwürgen. Bei den Seeschlachten entstehen durch verschiedene Munitionsarten (Kettenkugeln um die gegnerischen Segel zu zerstören, Massivkugeln um besonders schwere Schäden im Rumpf des Gegners zu verursachen und Streukugeln, um die gegnerische Mannschaft zu dezimieren) und der Tatsache, dass ihr die Windrichtung (an der Flugrichtung der Wolken zu erkennen) beachten müsst, um zu manövrieren, besonders taktischer Tiefgang. Um neue Schiffe für euren Konvoi (der aus maximal drei Schiffen bestehen kann) zu bekommen, müsst ihr sie zuerst entern. Auch dieser Vorgang geschieht nach sehr kurzer Einübungszeit oder dem Tutorial sehr einfach, denn ihr müsst lediglich durch einen Klick auf das “Enterbereitschafts”-Symbol den Entermodus aktivieren. Nun reicht es, das Zielschiff einfach nur zu berühren und es gehört eurer Herrschaft. Der Rest geschieht nämlich vollautomatisch und ohne großen Zeitaufwand. Später im Spiel könnt ihr sogar gegen Städte kämpfen und sie annektieren. Durch gewonnene Schlachten erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die den Kapitän im Level wie bei einem typischen Rollenspiel steigen lassen, dadurch verbessern sich Eigenschaften wie zum Beispiel die Moral der Besatzung.
Und sonst? Ein sehr wichtiger Punkt ist auch der Handel. Obwohl das Spiel den oben erwähnten Actionpart besitzt, sind auch die Handelsmöglichkeiten sehr erwähnenswert und eigentlich schon fast ein eigenes Spiel. Es gibt so extrem viele unterschiedliche Arten von Handelswaren, dass ihr das Spiel für eine Wirtschaftssimulation halten könntet. Obwohl die Szenarien sehr abwechslungsreich sind, habt ihr sie doch bald alle durch: Ihr werdet alle Waren, sowie Schiffe und Handelswege kennen, es kommt einfach Langeweile auf, da können auch die vielen Nebenquests nicht mehr weiterhelfen. Ein (kostenloses) Add-On mit neuen Waren und Schiffen und etwas abwechslungsreicheren Szenarien würde die jetzig kurze Spielzeit von etwa 10 Stunden ohne Probleme noch weiter nach oben treiben.
Die Technik Während ihr euch auf der Übersichtskarte durch eine eher trostlose See klickt, ist der Kampfmodus doch sehr realistisch und detailgetreu gestaltet. So seht ihr die Segel imposant im Wind wehen und die Besatzung wuselt auf dem Deck umher. Diese Seeschlachten sind wirklich schon ein grafisch noch nie gesehenes Highlight. Trotz dieser interessanten Details hätten die Entwickler von Ascaron zur heutigen Zeit ein grafisch weitaus imposanteres Spiel, wie zum Beispiel "Fluch der Karibik", machen können, aber vielleicht wollen sie sich ihre Ressourcen für das schon angekündigte “Port Royale 2” sparen. Der Sound lässt sich allerdings wirklich hören und untermalt perfekt das Freibeuter-Szenario.
Pro - Motivierende Szenarien - Einfache, schnell erlernbare Steuerung - Lustige, kleine Grafikdetails - Tolle Seeschlachten - Viele Handelsgüter - Kein Vollpreis, nur knapp 25€ - Passender Sound
Contra - Mit der Zeit langweilig - Zweckmäßige Übersichtsgrafik
Fazit Wer unter euch gerne den Kapitän spielt und auf tolle Grafik verzichten kann, für den ist “Piraten: Herrscher Der Karibik” genau das Richtige. Auch die Fans von Sid Meier’s “Pirates” werden bestens bedient. Trotzdem hätte dem Spiel ein wenig mehr Umfang und Abwechslung sehr gut getan.
AUTOR: Alex 09.11.2003, 16:52h
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