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Relativ pünktlich vor der diesjährigen „Tour De France“ (Die ja ihr 100. Jubiläum feiert) brachte der deutsche Publisher dtp unter dem Tochterlabel von Shoebox am 2. Juli den „Radsport Manager 2003-2004“ heraus. Die bereits dritte Version des international bekannten „Cycling Manager“ kommt wieder vom Entwickler Cyanide. Schon in den ersten beiden „Cycling Manager“-Versionen kam bereits viel Spielspaß auf, allerdings waren auch immer wieder stärkere Mängel wie z.B. Grafik, Logik und Bugs dabei. Das Spiel an sich ist eigentlich ein konkurrenzloser Manager rund um den Radsport. So müsst ihr z.B. die Finanzen eures Teams leiten, verschiedenste Ausrüstung einkaufen, euch nach neuen Fahrern umsehen oder auch das Training der Fahrer leiten.
Auf dem Weg zum gelben Trikot Nachdem ihr eines von 40 offiziellen Teams gewählt habt, könnt ihr sofort mit dem wirklichem Teil des Spiels loslegen: Planen, (ver)kaufen, Training und sonstiges. Dabei hilft euch das Menü im relativ unspektakulärem „Rad-Design“ anfangs nicht gerade weiter, ein kurzer Blick ins 32-seitige Handbuch klärt dann aber auf. Nach diesen leichten Anfangsproblemen geht dann in der Regel die Planungsphase los. Ihr stellt ein, wie viel von einem bestimmten Bereich ein Spieler trainieren soll. Dies tut ihr dann bei jedem Fahrer, wodurch sich die „Copy & Paste“-Funktion im Training als sehr nützlich anbietet. Nachdem dieser Teil ordentlich erledigt wurde, habe ich mich erst einmal um das Material für die kommende Saison gekümmert (Rahmen, Räder und Helme). Hierbei kommt es auch wieder auf das Team an, das ihr anfangs gewählt habt. Habt ihr ein gut etabliertes Team mit min. 1 Topfahrer, so steht euch ein wesentlich höheres Etat zur Verfügung, als bei einer kleinen „Neulings“-Truppe. Auch beim Material sichert sich Cyanide die Lizenzen aller führenden Herrsteller. Nach diesen Schritten geht es ran an die ersten Rennen und Etappen. In der Regel werden hier die Qualitäten und Schwächen der Fahrer getestet, damit sie für die Königin aller Touren, der „Tour De France“, gerüstet sind. Bei den Fahrern wurden nicht alle Lizenzen gesichert, vor allem bei den Top-Männern. So heißt Lance Armstrong zum Beispiel „Neilstrong“ und Eric Zabel „Zubel“. Im Spiel ist aber erfreulicherweise ein Editor vorhanden, mit dem ihr die Fahrer und Teams nach belieben umändern könnt.
Mittendrin, statt nur dabei Für das Rennen stehen euch dann 2 Modi bereit. Entweder ihr lasst es simulieren, oder ihr schaut es euch an. Letzteres wird jedenfalls von den meisten unter euch öfter gewählt, wodurch ich euch jetzt einmal diesen Schritt beschreibe. Nach einer mittelmäßigen Ladezeit geht es dann ab ins wirkliche Spielvergnügen. Die Grafik gefällt auf den ersten Blick, bei genauerem Hinsehen erkennt man dann aber doch die vielen aneinandergeklebten Bitmap-Texturen. Nachdem das Rennen losgegangen ist gilt es erst einmal die prozentuale Leistung des jeweiligen Fahrers einzustellen. Generell empfiehlt es sich hier bei längeren Rennen die Prozentzahlen erst wenige Kilometer vor Schluss anzuheben, da ansonsten die 4 „Nahrungspäckchen“ kaum ausreichen werden. Jetzt hat man bis zur nächsten Sprint- oder Bergprüfung ein wenig Zeit um eine eventuelle Taktik durchzuführen. Ausreißergruppe? Lauernd im Hintergrund? Immer an der Spitze mitfahrend? Dies waren nur ein paar der verschiedenen Möglichkeiten, die ich angewendet habe, um am Ende ganz vorne mit dabei zu sein. Allerdings dürft ihr nie vergessen, dass beim Radsport nicht nur Siege zählen: Auch Berg- oder Sprinttrikots bringen manchmal viel Geld, Punkte und Zeitersparnis ein. Als sinnvoll hat sich die Spielbeschleunigungsfunktion herausgestellt. So könnt ihr die Zeit real, 2x, 4x oder 8x so schnell ablaufen lassen, was vor allem bei Etappen über 120km angewendet werden sollte. Die Standard-Befehle bringen in der Regel nicht so viel, außer „Sprinten“ und „Angriff“. „Führung“ oder „An die Spitze der Gruppe“ fahren wird eigentlich nie von den Fahrern umgesetzt. Störend ist auch die KI der Computergegner, denn diese fahren permanent eine Linie. Vorne halten – bei Zwischenprüfungen vorne sein – „Wenn du angreifst tu’ ich das auch“ – Am Ende um den Sieg sprinten. Als schlimmer Bug hat sich folgendes herausgestellt: Bei schweren Bergetappen haben es die Fahrer nicht gerade leicht, einige geben dadurch auch auf. Wenn ihr dann allerdings ins Ziel gekommen seit, stehen die Fahrer, die zuvor aufgegeben haben, als Sieger fest. Die nervigsten Etappen sind und bleiben wohl die (Team-)Zeitfahren. So müsst ihr immer eine halbe Ewigkeit darauf warten, bis überhaupt ein Fahrer von euch erscheint. Ist dies dann der Fall, bleibt wiederum (ohne die Betätigung der Pause-Taste) viel zu wenig Zeit um das optimale Ergebnis herauszuholen.
Schönheitswettbewerb Als erste größere Mängel haben sich Clipping- und Grafikfehler herausgestellt, die nicht gerade zum Spielspaß beitragen. So kann man zum Beispiel mit einer von 6 unterschiedlichen Kameras unter das Spielfeld schwenken und zoomen oder die Fahrräder „versinken“ im Boden. Oftmals werden auch urplötzlich die Asphalttexturen von Landschaftsgrafiken ersetzt. Diese Umgebungsgrafiken an sich sind, vorrausgesetzt an der richtigen Stelle, wirklich schön anzusehen, auch wenn ruhig noch 1-2 Reihen mehr 3D Bäume & Co. hätten da sein können. Als sinnlos stellt sich der Ticker heraus, da er bei Massensprints kaum mitkommt. So kann es z.B. sein, dass ihr euch mit „XY“ schon längst im Ziel befindet, während der Ticker kaum nachkam und erst in diesem Moment „Sprint von XY“ anzeigt. Als gelungen stellt sich die Soundfunktion dar. Kreischendes Publikum und ein eigener MP3-Player sind mit von der Partie. Wenn euch die langweiligen Stücke also auch nicht vom Hocker hauen, könnt ihr einfach eure eigenen MP3’s in den jeweiligen Zielordner des Spiels kopieren.
Unter Freunden Neben 4 Singleplayer-Modi (Karriere, Etappe, Rundfahrt und Klassiker) bietet „Radsport Manager 2003-2004“ auch einen Multiplayer-Modus. Dieser kommt allerdings ohne größere Innovationen. So ihr mit bis zu 20 Spielern über die gewohnten Leitungen Spielen: Netzwerk oder Internet. Der Netzcode scheint gelungen zu sein, wodurch man ohne größere Legs viel Spielspaß auf der nächsten Party haben kann. Vor allem im Mehrspielermodus empfiehlt sich die „Hotkey-Schnellübersicht“ auf der Rückseite des Handbuchs für Anfänger als sehr hilfreich. Stören tut, genau wie im Einzelspielerpart, das ewige Warten auf die Letzten. So kann es schon mal passieren, dass selbst bei höchster Zeitbeschleunigung mal ein paar Minuten auf den kilometerweit entfernten Ausreißer gewartet werden muss.
Pro - Über 40 offizielle Teams - Fast alle Fahrer sind mit Fotos lizensiert - Schöne Umgebungsgrafiken inklusive Sehenswürdigkeiten - Verschiedenste Kameras mit Zoom- und Drehfunktion - Schwierigkeitsgrad über Saisonziele wählbar - Noch frisches Genre - Eigener MP3-Player - 4 Singleplayer-Modi - Über 180 originale Etappen - Ausrüstung aller führenden Herrsteller - Editor - Tolle Trainingsmöglichkeiten - Schöne Statistiken
Contra - Einige Clipping- und Grafikfehler - Kein Intro und langweiliges Menü - Nerviges Zeitfahren - Viele Bugs - Wiedermal Star Force Copy Protection System - Computerrundfahrten sind nicht abstellbar - Keine wirklichen Innovationen
Fazit Was wäre der diesjährige „Radsport Manager“ für ein Spiel geworden – Aber dann diese nervigen Grafik- und Logikfehler. Und dieses Star Force Copy Protection System. Und diese nervigen Computerrundfahrten, die man nicht abstellen kann. “Radsport Manager 2003-2004“ weißt noch einige Mängel auf, die hoffentlich mit dem nächstem Patch behoben werden. Allerdings gibt es auch viel positives zu sagen, denn es macht auch wirklich über mehrere Stunden hinweg Spaß. Auch das bisher unverbrauchte Radsport-Genre trägt sicherlich dazu bei, dass es Cyanide’s neuer Streich vom Gameplay her durchaus mit den Fußball-Kollegen wie „Anstoss“ oder „Fußball Manager“ aufnehmen kann.
AUTOR: Carsten 09.07.2003, 21:40h
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