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The Saga Of Ryzom

Sogenannte Massive-Multiplayer-Online-Role-Playing-Games, kurz MMORPGs, scheinen in letzter Zeit so richtig in Mode zu kommen. Langsam erhebt sich das Genre von einer „Underground-ProGamer-Hochburg“ zu einem massentauglichen Onlinevergnügen für Jedermann, was vor allem durch den raschen Fortschritt der Technik zu begründen ist. Der Trend geht eindeutig zu massentauglichen Medien und Spielen, die Wert darauf legen, dass sich möglichst viele Menschen untereinander austauschen können und gemeinsam etwas erleben können. Der Designer-Newcomer Nevrax hat diesen Trend nun scheinbar auch aufgegriffen und versucht sich jetzt mit seinem Fantasy-MMORPG "The Saga Of Ryzom" auf dem hart umkämpften Markt zwischen Giganten wie dem dieses Jahr erscheinendem "World Of Warcraft", „Anarchy Online“ oder "Dark Age Of Camelot" zu behaupten. Die Ideen für Welt und Völker sind vielversprechend, ein ausgiebiger Betatest wurde auch gestartet. Was ihr zu erwarten habt? Lest selbst!

Der lebende Planet
"Ryzom" spielt auf dem Planeten Atys, der mehr oder weniger ein einziger, großer Organismus ist. Er wird teilweise von riesigen Wurzeln umgeben, die auch in der Spielwelt ab und an imposant aus dem Boden ragen. Die vier Völker, aus denen ihr euch einen Charakter wählen könnt, sind die eher kriegerisch veranlagten Fyros, die kleinen, aufgeweckten Tryker, die mehr arroganten und egoistischen Matis und die geheimnisvollen Zorai. Jedes dieser unterschiedlichen Völker hat seinen eigenen Lebensraum, so leben die Fyros in einer lebensfeindlichen Wüste, die Tryker in idyllischen Seenlandschaften und die Zorai im tiefsten Dschungel.
Die Fantasywelt ist den Designern an sich sehr gut gelungen: Neben den typischen Fantasyaspekten wie Magie und Schwert sind in der Welt auch viele ScienceFiction-Ansätze wie zum Beispiel Raumschiffe zu finden. Allein vom Optischen her ist die Spielwelt extrem gut gelungen, die Atmosphäre des lebenden Planeten wäre ja an sich zielsicher umgesetzt, jedoch gibt es keinerlei Soundtrack (!), was zu einer perfekten Atmosphäre mit Sicherheit dazugehört.
Die Rahmenhandlugen sollen von den Spielern selbst geschaffen werden. Das soll zum Beispiel durch Diplomatie oder Kriege und Eroberungen geschehen. Dabei wird auf eine festegelegte Rahmenhandlung aber komplett verzichtet. Ein riskantes Vorhaben, welches, vorrausgestzt es ist extrem gut umgesetzt, bestimmt sehr erfolgreich ist. Leider ist "Ryzom" noch weit davon entfernt (was an sich nicht negativ gewertet werden darf - kein vergleichbares Spiel schafft das bis jetzt), ohne einen roten Faden, der einen Spieler - wenn auch nur bis zu einem gewissen Punkt - führt, findet ihr sehr schlecht den Einstieg ins Spiel.

Ein Individuum auf Atys
Die Charakterentwicklung in Atys an sich ist jedoch höchstspannend. Anstatt euch eine feste Charakterklasse auszuwählen, könnt ihr euer Alter-Ego so entwickeln, wie ihr wollt, indem ihr einfach die Fähigkeiten trainiert, die euch gefallen. Das passiert ähnlich wie in zum Beispiel "The Elder Scrolls 3: Morrowind", wo der Charakter nur genau die Attribute steigert, die er auch fördert. Das heißt, wenn ein Spieler seinen Ckarakter die ersten 30 Stufen lang nur als Nahkämpfer trainiert hat, ist es für ihn immernoch  möglich, starke Zaubersprüche zu lernen, jedoch muss er bei der Magie mit dem Training dann wieder ganz unten anfangen. Die einzige Möglichkeit, die es gibt, um seinen Charakter von Anfang an etwas in eine Richtung zu lenken, sind Skillpakete, von denen ihr am Anfang drei auswählen müsst. Die Entscheidung könnt ihr zwischen den vier Grundpaketen Magie, Kampf, Handwerk und Rohstoffabbau wählen. Ihr könnt eurem Charakter also von Anfang an beispielsweise drei Kampf-Pakete geben, damit er anfangs stärker „schnätzelt“ als Andere.
Durch viele verschiedene zu verfeinernde und zu erlernende Fähighkeiten und Skills sind die Charaktere auf dem Planeten Atys sehr facettenreich und unterschiedlich und es erlaubt spannende Charakterkombinationen, was immerhin für viele Rollenspieler einen erheblichen Teil ausmacht, weil es ja einer der Grundgedanken von Rollenspielen ist, seinen eigenen Charakter zu entwickeln.

Doch was tut das Individuum den ganzen Tag ?
Zu Beginn eurer Karriere befindet ihr euch in einem von dem Rest der Welt abgeschittenen Startbereich (in unserem Fall eine Insel), auf dem ihr schätzungsweise die ersten 1-2 Wochen verbringen werdet. Dort bekommt ihr auch Quests, welche euch, je nachdem in welche Richtung ihr euren Charakter entwickeln wollt, die wichtigsten Dinge erklären und euch zu Ausbildern führen. Natürlich bekommt ihr auch genretypische Aufgaben wie "Töte X Monster der Sorte Y" oder "Sammle X Gegenstände des Typs Y", wobei diese liebloser und steriler verpackt sind wie in zum Beispiel "World Of Warcraft", wo ihr eher das Gefühl habt, jemandem nach einer Aufgabe geholfen zu haben. Leider fängt hier der Frust schon an: Auch, wenn ihr im Startgebiet seit, die Monster sind vor allem für ganz "frische" Charaktere teilweise viel zu schwer und laufen euch zum Überfluss auch noch so lange hinterher, bis einer von euch stirbt. Die einzige Hoffnung sind da meistens die Stadtwachen, die, wie es der Name vielleicht schon schließen lässt, nur in der Nähe von Städten sind. Bewachte Straßen à la "World Of Warcraft" gibt es eher selten.
Diese Umstände führen schnell dazu, das ihr euch an eure Mitspieler wendet - Und genau da liegt bei "Ryzom" sozusagen der Hase im Pfeffer: Die deutsche Community ist wirklich ein Vorbild für so manch andere MMORPG-Community in Deutschland, man trifft eigentlich nur auf hilfsbereite und freundliche Leute. Ohne andere Spieler wäre das Leben im Spiel sowieso knüppelhart, die Gegner lassen sich ohne Gruppe kaum schlagen und durch diverse Kombos kommt so manche Magie- oder Kampffertigkeit erst richtig zum Vorschein.
Leider wird mit der Zeit auch das Spiel in der Gruppe zu langwierig, denn die meiste Zeit beschäftigt ihr euch mit trockenem Hochleveln, außerdem gibt es oft Lags und die Regenerationszeit von Leben und Mana (heißt hier "Sap") dauert einfach zu lange.

Pro
- Viele innovative Gameplayelemente
- Nette Charakterentwicklung
- Interessante und lebendige Spielwelt
- Quasi grenzenlose Langzeitmotivation
- Vier verschiedene Völker
- Vorbildliche hilfreiche Community
- Herrliche Grafik

Contra
- Schwerer Einstieg
- Teils langweilige Spielpassagen
- Verbesserungswürdiger Netzcode
- Viele unausgereifte Features
- Spartanisches Interface
- Fehlender Soundtrack

Fazit
Nicht nur eine, sondern gleich viele an sich tolle und innovative Ideen hatte Nevrax für die Entwicklung von "Ryzom". Vielleicht haben sie sich damit etwas übernommen, denn zu viel wirkt unfertig und einige Dinge sind noch nicht sehr ausgereift. Auch der fehlende "rote Faden" und die teils extrem unfairen Gegner trüben das Spielerlebnis. „Zu viel Köche versalzen die Suppe“, wir hoffen, dass „Ryzom“ in Zukunft weiterhin kontinuierlich erweitert und damit auch verbessert wird.

AUTOR: Alex 02.02.2005, 23:11h

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GAMEPLAY:

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 70%

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